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Den Anomalien beim Teilen der MC-Plazenta wurde von Wissenschaftlern
bisher erheblich weniger Aufmerksamkeit geschenkt als den
Blutgefäßverbindungen, obwohl sie genauso wichtig
sind. Die plazentare Ungleichmäßigkeit bei monochorialen
Zwillingen wird unterschiedlich genannt: ,ungleichmäßiges
Teilen der venösen Rückstromzonen’, ungleichmäßige
Aufteilung des Parenchyms’, ‚diskordante Gefäßperfusionszonen’;
eine präzise Definition aber gibt es nicht. Die prozentualen
Anteile der Zwillinge an der MC-Plazenta können bei einer
Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft nicht
direkt bestimmt werden, sie können aber nach der Geburt
mit einer Untersuchung der Plazenta geschätzt werden,
indem die Lage des Gefäßäquators in der gemeinsamen
Plazenta ermittelt wird.
Der Grund für MC-plazentare Ungleichmäßigkeit
ist ebenfalls unbekannt, aber scheinbar hat der MC-Zwillingsembryo
(Blastozyste) ein Problem, wenn er sich in die Gebärmutterhöhle
der Mutter einbettet (s. Abbildung 5). Weil es in der Blastozyste
zwei verschiedene Zellbereiche gibt, aus denen Babys werden
und die ihre eigene gesunde Plazenta entwickeln müssen,
können Ereignisse, die bei einem einzelnen Baby zu einer
normalen Plazenta führen sollten, nicht effektiv eintreten,
wenn es zwei zukünftige Babys in der Blastozyste gibt.
Der Anteil an der MC-Plazenta bei FFTS ist oft ungleich, wobei
der Anteil des Spenders typischerweise der kleinere ist. Die
Schwelle für signifikant abnormale Anteile (z. B. 60:40,
70:30, 80:20, 90:10 etc.) und für plazentare Insuffizienz,
die dazu führen könnte, dass ein Zwilling kleiner
ist als sein Mitzwilling oder sogar sein normales Wachstum
und sein Überleben in der Gebärmutter gefährdet,
kann von Fall zu Fall verschieden sein und ist abhängig
von Schwangerschaftsmonat sowie von Art und Anzahl der Blutgefäßverbindungen.
Eine Studie belegt, dass bei einer plazentaren Ungleichmäßigkeit
von 60:40 oder höher ein signifikanter Unterschied im
Geburtsgewicht der Zwillinge bei FFTS-Fällen zu erwarten
ist.
.
Bei Fällen ohne verbindende Blutgefäße ist
die ungleichmäßige Aufteilung eine wichtige Ursache
für die unterschiedliche Größe und das unterschiedliche
Wachstum bei eineiigen MC-Zwillingen. Das Vorhandensein verbindender
Blutgefäße kann für einen MC-Zwilling mit
ausreichendem Plazentaanteil ein Risiko für abnormale
Ereignisse darstellen, die bei dem Zwilling mit plazentarer
Insuffizienz auftreten können. Umgekehrt kann ein Zwilling
mit einem kleinen Anteil durch die Verbindungen Nährstoffe
aufnehmen, die er ansonsten nur in unzureichender Menge aufnehmen
könnte. Die klinischen Konsequenzen einer MC-Ungleichmäßigkeit
hängen von ihrem Ausmaß, ihrer Art, von der Anzahl
und Richtung der Gefäßverbindungen sowie vom Gestationsalter
ab (s. Abbildung 7). Theoretisch muss es einen plazentaren
Anteil geben (vielleicht weniger als 20 %), der mit dem fortgesetzten
intrauterinen Überleben eines Zwillings nicht vereinbar
ist.
Zusätzlich zu den unterschiedlichen Anteilen können
sich die ungleichmäßigen MC-Anteile qualitativ
im plazentaren Kreislauf unterscheiden, bedingt durch die
Ansatzpunkte der Nabelschnüre, die Anordnung der Blutgefäße
auf der Plazentaoberfläche und durch die Art und Weise,
wie das Blut tief im Gewebe der Plazenta fließt. Abnormale
Ansatzpunkte der Nabelschnur und einzelne Nabelschnurarterien
(normalerweise sind es zwei) kommen bei Zwillingen häufiger
vor als bei einzelnen Babys und führen zu kleineren Plazenten.
Es besteht außerdem ein Zusammenhang zwischen einem
häutigen Nabelschnuransatz (s. Abbildungen 3 und 4) und
MC-Zwillingen mit FFTS (65 % mit FFTS gegenüber 20 %
bei MC-Zwillingen ohne FFTS); Fälle mit velamentösen
Nabelschnüren haben schlechtere Ausgänge und trotz
Behandlungsversuchen frühere Geburten. Velamentöse
Nabelschnuransätze und plazentare Ungleichmäßigkeit
wurden von einem Forscher miteinander in Verbindung gebracht,
der eine gemäßigte bis ausgeprägte Ungleichmäßigkeit
der MC-Plazenta und einen kleinen Anteil für den Zwilling
mit häutigem Nabelschnuransatz entdeckte, insbesondere,
wenn der Mitzwilling einen mittigen Nabelschnuransatz hatte
(s. Abbildung 4). Eine einzelne Nabelschnurarterie kommt drei
bis vier Mal häufiger bei Zwillingen vor; wenn sie bei
Zwillingen auftritt, dann für gewöhnlich beim kleineren.
Wenn man schließlich die plazentaren Anteile der Zwillinge
mit FFTS unter dem Mikroskop betrachtet, weisen die Spenderanteile
weniger Blutgefäße auf als die Empfängeranteile,
die ausgedehntere und aufgestautere Blutgefäße
besitzen.
Traurigerweise haben manche MC-Zwillinge Anteile an der gemeinsamen
Plazenta, mit denen ihr Leben im Mutterleib nicht bis zu einem
Punkt aufrechterhalten werden kann, ab dem sie entbunden werden
und außerhalb der Gebärmutter weiter überleben
könnten. In solchen Fällen kann keine zusätzliche
Plazentamasse geschaffen werden. Wenn dieser Zwilling verscheidet,
ist der andere aufgrund der verbindenden Blutgefäße
dem Risiko ausgesetzt, zu sterben oder Geburtsfehler zu erleiden.
Die einzige Therapie, mit der sich die Risiken für den
anderen Zwilling (mit dem größeren oder normalen
Plazentaanteil) beseitigen lassen, ist das Verschließen
all dieser Blutgefäße mit Laser, da dies die MC-Zwillinge
,voneinander trennt’.
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